Sommerpost – 15.August 2026 | Selbständig

Neulich fragte mich mein Flow-Kalender: „Womit würdest du dich selbständig machen?“ 

Hm – was für eine Frage. Ich bin ja schon selbständig. Aber so schnell lasse ich mich von einer Antwort nicht abspeisen. Ich fragte für mich selber weiter: Was, wenn ich die Entscheidung noch einmal treffen könnte. Würde ich es wieder so machen?

Die fleixibelste Lösung, aber auch ein Wagnis

Ich bin jetzt seit über 20 Jahren selbständig. Außer während meines Studiums, in meiner Zeit als Werkstudentin, war ich noch nie angestellt. Zur Selbständigkeit bin ich eher durch Zufall gekommen. In meiner damaligen Situation war die Selbständigkeit einfach der passendste Schritt: Studierende, Mutter eines kleinen Kindes, verheiratet, und nebenbei schon die ersten kleinen Aufträge. Und weil ich die Dinge gern korrekt habe, habe ich eine Selbständigkeit angemeldet. Damit war ich ordnungsgemäss beim Finanzamt registriert und zack, selbständig. Gleichzeitig war das auch die flexibelste Lösung, die ich mir als junge Mutter vorstellen konnte. Einen Agenturalltag konnte ich mir schlicht nicht vorstellen.

Durch Hochs und Tiefs

Es gab während all der Jahre viele Tiefs und natürlich auch einige Hochs. Die Tiefs, das sind oft das einsame Arbeiten oder die Ungewissheit, wie es im nächsten Monat weitergeht. Sich selbst und die eigenen Angebote immer wieder neu anbieten und verkaufen müssen; ein Rad, das gefühlt nie stillsteht. Ausserdem steht das Einkommen oft in keinem Verhältnis zum Arbeitsvolumen oder schwankt sehr stark. 

Die Hochs sind immer wieder die Vielseitigkeit dieses Jobs – wie viele Themenbereiche ich mir immer wieder neu erschließen muss, wie viel ich gelernt habe, was gar nicht zu meiner Kernkompetenz gehört, aber dennoch unmittelbar damit verbunden ist. Ich habe richtig tolle spannende Jobs machen dürfen: gemeinsam mit Entwicklern am Design einer App tüfteln, Websites gestalten, Logos gestalten und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlichen. Ausserdem betrachte ich auch den hohen Grad an Selbstwirksamkeit als  Hoch – und, neben dem Muttersein, die größte Persönlichkeitsentwicklung meines Lebens.

Gestaltwandlerin

Inhaltlich habe ich meine Arbeit verändert. Von der Designerin, die Logos, Broschüren, Plakate und Websites gestaltete, bin ich mehr und mehr zu der geworden, die ich heute bin. Über mehrere Jahre habe ich gespürt, dass etwas nicht mehr passt. Ich wollte nicht länger nur die Handwerkerin sein, die Designideen umsetzt, sondern in die Tiefe arbeiten. Ich habe gemerkt, dass die Arbeit, die ich an mir selbst mache – die Prozesse, die Erfahrungen –, sich auch auf meine Arbeit auswirkt. Die Künstlerin in mir, die ich jahrelang negiert und hinter dem Handwerk Design versteckt hatte, wollte wachgeküsst werden. Ich wollte in die Welt geben, wie ich die Welt sehe, verstehe, verarbeite. Und ich habe gemerkt, dass ich andere damit inspiriere – dass ich Heilräume öffnen kann. Durch meine Geschichten, meine Kurse, meine Begleitung und durch die Weiterbildungen auf fachlicher Ebene.

Das ist das Schöne an der Selbständigkeit: ich kann immer wieder neu- und weiterdenken, nachjustieren, Schwerpunkte anders setzen.

Ich würde mich wieder selbständig machen. Aber nicht mehr als Designerin, sondern ganz klar als Kreative Wegbegleiterin. Für Alltagstrauer, Seelsorge, Übergänge. Für die Sehnsucht und Suche nach Gott und nach Freiräumen im eigenen Leben. Für Mitmacht und Halt in der Welt. Da bin ich überzeugt, dass ich ganz viel geben kann.

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