Fastenzeit-Tagebuch – ausgebremst

Wir wollten jetzt wieder regelmässig ins Schwimmbade gehen, weil es den Jungs so viel Freude gemacht hat. Und damit sie von den Bildschirmen wegkommen. Ich habe diesen Monat eine tolle Fitnessroutine entwickelt und war dabei, wieder richtig reinzukommen. Dann war da dieses Halskratzen, von dem ich dachte, das sei eine Reaktion auf etwas, was ich gegessen hatte. Das kenne ich schon. Die Halsschmerzen blieben drei Tage, dann kam ein bisschen Schnupfen. 

Am fünften Tag nach den ersten Symptomen dann die beiden Streifen am Test. Jetzt warte ich auf das Ergebnis des PCR-Tests. Hach. Dabei hatte ich echt so schöne Ideen mit den Schulkindern in meinem Nachmittagskurs. Letzte Woche haben wir Tetrapacks angemalt, die wir bepflanzen wollten. Ich hatte dafür schon Hornveilchen, kleine Narzissen und Traubenhyazinthen besorgt. Wie schade.

So fällt natürlich auch die Posaunenchorprobe aus. Um mein Probenwochenende bange ich noch ein wenig. Der Jüngste wird wohl auf eine Kindergeburtstagseinladung mit Übernachtung verzichten müssen, weil er als enge ungeimpfte Kontaktperson in Quarantäne muss  – das tut mir am meisten leid. So harre ich also der Dinge, pflege meine Erkältung, warte auf das Testergebnis und arbeite ein bisschen. Da habe ich nämlich in den letzten Tagen ganz schön viel liegen lassen. 

 

Leere Regale, Jammern und Beschweren

Neulich habe ich auf Facebook (jaja, die Socialmedia-Pause klappt nicht so gut) gelesen, wie jemand schrieb, dass sich alle über die steigenden Benzinpreise beschweren würde, wo es anderen doch viel schlimmer geht, die haben ihr Zuhause verloren, vielleicht sogar Angehörige im Krieg. Das ist ein Phänomen, dass ich schon seit meiner Kindheit kenne: Beschwer dich nicht, anderen geht es viel schlechter. Warum? Warum dürfen wir nicht auch über unseren eigenen Schmerz klagen, obwohl es anderen schlechter geht? Es gibt immer Menschen, denen es besser oder schlechter geht als uns. Das ändert doch aber nichts an unserer eigenen Wahrnehmung, an unserer eigenen Lebensrealität. Und wenn mich gerade schmerzt, dass die Benzinpreise steigen, und ich statt 90 Euro nun 120 Euro für eine Tankfüllung ausgebe, dann finde ich das durchaus angebracht, das zu äußern. Das gilt nicht nur für Benzinpreise, sondern auch für Schmerz, Sorgen und Freude.

Am Montag war der Mann einkaufen und schickte mir Fotos von den leeren, wirklich leeren, Regalen beim Rossmann. Kein Klopapier, keine Windeln, keine Hygieneprodukte. Ein ganzer Gang gespenstisch leerer Regale. Sah aus, als würden sie umbauen. (edit: es wird tatsächlich umgebaut.) Er hat dann im Supermarkt noch eine Packung Klopapier für unseren täglichen Bedarf bekommen. Das Ökoklopapier – alles andere war ausverkauft. Genau so sieht es im Ölregal aus. Ich hab dann mal bisschen recherchiert. Warum so leere Regale? Eine Mischung aus Lieferkettenproblemen wegen Coronaausfällen (wir haben im Landkreis eine Inzidenz von 2129 und über 3000 Ansteckungen innerhalb der letzten 7 Tage) und Hamsterkäufen aus Kriegsangst. Verrückt. Unsere Vorräte sind ganz normal gefüllt (oder leer), je nachdem wo wir in der Woche gerade stehen. Ich möchte gern vertrauen, dass jederzeit für mich gesorgt ist. Dass es immer einen Weg weiter gibt.

Soweit ein paar unfertige Gedankenschnipsel zu den aktuellen Ereignissen da draussen.

Was schön ist

Neulich habe ich Fragen für ein Interview beantwortet. Eine der Fragen war, was mich gerade bewegt. Neben unseren Familienbaustellen, die mich wirklich sehr in Anspruch nehmen, bewegt mich aber immer wieder die Gleichzeitigkeit von allem. Um mich herum und in mir drin. Eine Teilnehmerin vom Frauencamp hat mir mal eine schöne Kette geschenkt mit den Worten: “Sie hat mich an dich erinnert. Sie ist so Yin und Yang wie du.” Und ja. Ich fühle schon seit Jahren die Gleichzeitigkeit von allem sehr intensiv. Schmerz und Schönheit, Trauer und Freude. Und so auch jetzt. Der leuchtend blaue Himmel in dem Wissen, dass er auch über zerbombten Städten leuchtend Blau strahlt. 

Also sitze ich hier mit Corona daheim, freue mich jedoch, dass es mir trotz der Erkältung gut geht. Bisschen müde bin ich. Aber das macht eben eine Erkältung. Ich geniesse den Frühling, die Blüten, das schöne Wetter, den Regen und das Vögelzwitschern. Ich bin dankbar, dass ich gerade nicht in einem Launch, sondern einer Pause stecke, dass ich mich umsorgen und bemuttern kann. Ich erfreue mich an meinem Ranunkel-Strauß, an meinem wachsenden Art Journal, an den vielen Ideen, die in mir sprudeln und daran, dass es uns so gut geht. An der Honiglieferung von meiner Schwester, Teekassengaben und liebe Emails, über Kursverkäufe und gute Gespräche.

Hat dir der Beitrag gefallen? Wie StrassenkünstlerInnen der Hut, steht hier im Blog eine Teekasse. Nur eben virtuell. Wenn du magst, kannst du mir einen Tee ausgeben. Oder Farben und Papier. Danke für die Wertschätzung <3

4 Kommentare zu „Fastenzeit-Tagebuch – ausgebremst“

  1. Von mir auch die besten Wünsche für eine baldige Bessung.
    Das mit den leeren Regalen im Bereich Babynahrung und Hygieneartikel könnten evtl. auch damit zusammenhängen, dass Menschen für Hilfstranporte eingekauft haben, oder?

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