Nachgefragt – ein Interview mit Jeannette Mokosch

Nachgefragt ist eine Interviewreihe mit anderen KalligrafInnen und SchriftkünstlerInnen. Ich finde es selbst sehr inspirierend, mich mit KollegInnen auszutauschen, einen Einblick in ihre Arbeitweise und Motivation zu erhalten.

Jeannette folge ich schon eine Weile auf Instagram und über ihren inspirierenden Newsletter. Sie schreibt moderne Kalligrafie, vorallem für Hochzeiten und ihre eigene Poesie, gibt aber auch Kurse zum Erlernen der Schrift. Jeanette hat einen Blick für Ästhetik und schreibt mutig über ihren Weg als Kalligrafin. Dabei bleiben Schönheit, Glaube und Hingabe nicht auf der Strecke. Besonders gern mag ich die Aufgaben unter ihren Instagram-Posts.

Liebe Jeannette, danke für die Antworten auf meine Fragen!

Foto: Karoline Grill

Jeannette Mokosch

Schriftlich

Wie kam Kalligrafie in dein Leben?

Vielen Dank für das schöne Interview-Format! Mich freut es immer sehr, wenn Kalligrafiefreunde aufeinandertreffen, denn die Begeisterung für Schrift ist ansteckend. Ich persönlich bin auf die Kalligrafie gestoßen, als ich versucht habe, eigene Gedichte sinnlicher darzustellen, damit ich sie als Kunstdrucke verkaufen konnte. Das war ein abenteuerlicher Weg, denn ich hab mir das Schreiben mir der Feder viel einfacher vorgestellt.

Was bedeutet Kalligrafie für dich?

Kalligrafie ist für mich ein Türöffner. Dank dieser Kunst fallen Botschaften schneller ins Herz und werden mit größerem Interesse gelesen und aufgenommen. So ein wertvoller Schlüssel in der Kommunikation!

Foto: Claudia Ebeling

Wenn du nur mit drei deiner Schreibwerkszeuge arbeiten dürftest, welche wären das?

Meine liebste Feder ist die BrauseEF66. Gefolgt von der NikkoG-Feder. Ansonsten möchte ich im Alltag nicht mehr auf den OneHybrid von Schneider verzichten. Es gibt nichts Ärgerlicheres, als Stifte, die kratzig oder schlecht schreiben, das macht mich wahnsinnig 🙂

Wie kommst du am besten in einen kreativen Schaffensmodus?

In den späten Abendstunden bin ich am kreativsten. Da ich das inzwischen weiß, plane ich meine Arbeitstage um diesen Rhythmus herum. Klassische Musik darf dabei nicht fehlen. Zudem habe ich 2 Arbeitsplätze- einer für die Büroarbeit und einer für alle kreativen Projekte. Eine anregende Atmosphäre ist mir sehr wichtig.

Und wie schaffst du es, aus einer Schaffensblockade rauszukommen?

Ein Mittel, das fast immer hilft, ist Langeweile. Leider kommt diese heute kaum mehr auf. Erst recht in der Selbstständigkeit. Langweilige Momente muss man sich daher hart umkämpfen und der erste Schritt lautet: Handy aus am Wochenende.

Woher bekommst du deine Ideen/was inspiriert dich? 

Mich inspirieren Erfahrungen im Leben und der Austausch mit Menschen. So oft kommen mir dann Zeilen oder Gedichte in den Sinn, die ich kalligrafisch umsetzen möchte. Die besten Ideen habe ich aber stets Gott zu verdanken. Ich sehe ihn als Quelle der Inspiration und bin deswegen bemüht, eine innige Beziehung mit ihm zu haben.

Welche Texte und inhaltliche Schwerpunkte finden in deine Arbeit? (Musik, Lyrik, Zeitgeschehen, spirituelle Texte…)

Biblische Texte ermutigen mich sehr. Das ist auch der Grund, warum ich gerne Bibelverse teile. Darüberhinaus begeistere ich mich für motivierende Inhalte aller Art. Das Leben bietet so viel Negatives, da können wir mit unseren Inhalten einen Unterschied machen.

An welchen Projekten arbeitest du gerade? Was beschäftigt dich?

Momentan arbeite ich an einem ermutigenden Coffee-Table-Book, das demnächst in einem Verlag veröffentlicht wird. Das ist ein großer Traum, der in Erfüllung gegangen ist!

Persönlich

Was ist für dich kleines Glück?

Wenn ich jemanden Hoffnungen machen kann. Und wenn nur mit einem kleinen Vers. Ich bin so dankbar, dass dies mein Beruf ist.

Foto: Alla Kronhart

Hast du ein Morgenritual?

Absolut. Ohne meine stille Zeit am Morgen fühlt sich der Tag unvollständig an. Ich bete, lese in der Bibel und sitze in absoluter Stille ein paar Minuten ruhig mit meinem Milchkaffee da und versuche in den Tag zu finden. Erst danach wird das Handy angemacht.

Wie entschleunigst du deinen Alltag? Wobei entspannst du dich?

Ich habe mir eine Schaukel gekauft und lebe den Luxus, hinten im Garten schaukeln zu können, wenn ich will. Viele Produktideen sind dort entstanden. My happy place. Überhaupt ist der Garten ein toller Ort, wo um neue Energie zu tanken.

Welches Buch hat dich als letztes berührt?

Finde Deine Berufung von Dr.Mike Murdock

Führst du ein Skizzenbuch/Tagebuch/Journal?

Alles drei. Und noch viel mehr. In jeder Schublade findet man bei mir Notizbücher, selbst in der Handtasche zwei, die alle immer verschiedenen Zwecken dienen. In eines kommen nur Gedichte.
Eines ist für die seltsamen Träume, die man nachts hatte. Eines für Produktideen, eines als Tagebuch … die Liste ist lang. Ich bin definitiv ein Notizbuchsammler.
Diese Bücher sind mein erweiterter Art und ich fühle mich nicht ganz so überfordert mit all den kreativen Gedanken und Erfahrungen des Lebens.

Foto: Karoline Grill

Perspektivisch

Was rätst du jemandem, der mit Kalligrafie anfangen möchte? Wo beginne ich, wie nähere ich mich dem Thema?

Oh! Eine sehr gute Frage! Ich würde ganz unbedarft Menschen in den Sozialen Medien folgen, die mich inspirieren mit ihrer Kunst. So hat das bei mir auch angefangen.
Zudem sollte man sich von dem Leistungsgedanken trennen, dass Kunstwerke immer „schön” sein müssen, oder einen Zweck haben sollen. Schönschrift kann erst mit Übung schön werden
und so oft steht man sich zu Beginn selbst im Weg, weil nicht gleich alles so wird, wie man es im Herzen hat. Ich würde die einfachsten Dinge, z.B. Einkaufszettel aufmerksamer schreiben und mich so dem Thema annähern.
Wenn das Wissen vertieft werden soll, dann empfehle ich die Teilnahme an Kursen, denn sich selbst komplexe Abläufe der Kalligrafie beizubringen, ist definitiv der steinige Weg.

Kalligrafie im 21. Jahrhundert: Wohin entwickelt sie sich? Welche Bedeutung hat sie?

Da die Digitalisierung rasant voranschreitet, denke ich, dass das Thema Schreiben immer mehr ein exklusives Hobby wird, bei dem man seine Individualität wunderbar ausdrücken kann.
Schriften werden weiterhin eine große Bedeutung haben und Menschen berühren, die gesättigt sind von Pixeln und Bildschirmen.

Hier findest du Jeannettes Arbeiten und Inspirationen

Instagram | Jeannettemokosch

Website | jeannettemokosch.com

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Beitragsfoto: Barbara Eichhammer