das geheimnis eines fucking guten lebens - buch in meiner hand auf dem schoß

Gelesen: Das Geheimnis eines fucking guten Lebens

Das Buch habe ich mir als Rezensionsexemplar bestellt. Das bedeutet, der Verlag stellt mir das Buch zur Verfügung, ich lese es und schreibe darüber. Ich bin in einem Verteiler, wo mir ab und zu Bücher zur Rezension angeboten werden, aus denen ich dann wähle. Soviel zur Transparenz, jetzt zu meinem Eindruck.

Ich kannte die Autorin vorher nicht. Sie hat offensichtlich schon mehrere Bücher und auch einen Podcast veröffentlicht. Der Titel hat mich neugierig gemacht. „Fucks“ gehören nicht zu der Sprache, die ich normalerweise nutze. Aber darauf habe ich mich einlassen können. Ich wollte wissen, was denn mit einem fucking guten Leben gemeint ist. Und wenn das das Geheimnis noch dazu gibt, warum nicht. Im Titel steht auch: „Wie gut bekommst, was du wirklich willst“ – Vielleicht würde ich ja mit Hilfe des Buches herausfinden, was ich wirklich will. Spoiler: Auf keine meiner Fragen in diese Richtung habe ich Antwort in diesem Buch gefunden.

Das Geheimnis einen fucking guten Lebens. Wie du bekommst, was du wirklich willst. Andrea Weidlich

Worum geht es?

Das Buch ist ein Roman mit therapeutischem Kern: Die Protagonistin Josefine kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Sie ist an einem Punkt in ihrem Leben, wo sie unzufrieden ist. Auf der kleinen Reise in ihre Vergangenheit erinnert sich unter anderem an Eduard Goldbach, einen weisen alten Therapeuten aus ihrer Kindheit. Die Geschichte pendelt zwischen zwei Zeitebenen: Ihrer Vergangenheit, einer schwierigen Kindheit und dem, wie sie jetzt ist. Zwischen den Zeilen wird klar: wir tragen zwar unsere Päckchen mit uns herum, aber wir haben auch so viel Schöpfer*innenkraft in uns, unsere Geschichte zum Guten zu wenden. Unsere Vergangenheit muss nicht länger unsere Gegenwart definieren. Wir können uns für Glück und ein gutes Leben entscheiden.

Das Buch ist irgendwas zwischen Selbsthilferoman und Weisheitsbuch. Der Schreibstil ist bildreich und warm. Ich konnte mir die Orte und Handlung sehr gut vorstellen und mich hineinversetzen. Der Kern der Geschichte hat mir gut gefallen, weshalb ich es auch zu Ende gelesen habe, auch wenn sich sie zeitweise etwas langatmig empfunden habe.

Josephine schreibt Briefe an das Leben

Josephine reist also in ihr Kindheitsdorf und erinnert sich an die Menschen, mit denen sie aufgewachsen ist. Die wohlgesonnene Bäckerin, den Gärtner, der die schöne Blumenwiese pflanzt, den strengen Pfarrer, eine unnahbare Freundin und den Therapeuten Eduard Goldbach. Sie erinnert sich auch, dass sie als Kind gern die Formel des Lebens herausfinden wollte. Das ist der rote Faden durch das Buch. Während ihrer Zeit in ihrem Kindheitsdorf beginnt sie Briefe an das Leben zu schreiben, die sie an einer Gartenbank versteckt. Und sie bekommt Antworten.

Briefe schreiben – das hätte ich an Josephines Stelle vermutlich auch gemacht, um mich den Fragen des Lebens zu nähern. Ich schreibe ja auch. In mein Journal. Manchmal in Briefform, manchmal als Morgenseiten. Auch ich bekomme Antworten. Aber anders als Josephine.

Das Buch wird also immer mehr zu einem Briefwechsel zwischen ihr und „dem Leben“. Die Briefe werden komplexer und länger, je tiefer Josephine reflektiert und eintaucht. Was als Frustbrief und Fragen an das Leben begonnen hat, wird immer mehr zur Selbsterkenntnis.
Während mir die Handlung der Geschichte wirklich gut gefallen hat, haben mich die Briefe abgehängt. Die Antwortbriefe waren mir zu belehrend, zu komplex und umfangreich. Da musste ich aufpassen, sie nicht zu überfliegen – vielleicht habe ich deshalb das Geheimnis eines fucking guten Lebens überlesen?

Form und Inhalt – beides wirkt

Es gab mehrere Sachen, die mich am Buch gestört haben. Abgesehen von kleinen Details in der Geschichte, hat die Gestaltung des Buches an sich mein Leseerlebnis wirklich eingeschränkt.

Wenn ich ein Buch lese, dann wirken bei mir nicht nur der Inhalt, sondern auch Form, Haptik und Gestaltung. Ich lese zum Beispiel lieber Papierbacks statt gebundene Bücher. Keine Ahnung, warum. Vielleicht sind sie handlicher? Sie müssen aushalten können, dass ich mir Notizen mache, Post-It’s hineinklebe oder Zeilen markiere. Die Schrift soll gut gesetzt und leicht zu lesen sein, die Gestaltung elegant und zurückhaltend. So habe ich es am liebsten. Wenn sich das Buch noch durch Papier und Umschlaggestaltung gut in der Hand und fürs Auge anfühlt – bestens!

Spiegel-Bestseller-(Autorin)-Aufkleber auf Büchern stören mich in der Regel. Sie sind einfach nicht hübsch.

Hier also meine drei Hauptkritikpunkte:

  • Der Titel: Ich habe beim Lesen des Titels keinen Roman erwartet, sondern ein Sachbuch. Was erstmal nix macht. Ich kann leider jedoch nichts mit „Wie du xy ..“ Aussagen anfangen. Das hat sich irgendwann im Internet verbreitet und scheint nun auch auf Buchtiteln angekommen zu sein. Schreckt mich eher ab als dass es mich einlädt. Ist es die Sprache oder das belehrende? Oder die leere Phrase? Hier weiss ich auch nicht, inwiefern der Verlag oder die Autorin für den Titel verantwortlich ist. Egal. Nicht meins.

  • Die Innengestaltung: Rote Kästen mit den Seitenzahlen, Zwischenseiten in Rot oder Schwarz und Zitaten aus dem Buch als ganze Seite in schlechter Typografie. Die Zitatseiten habe ich als Störer empfunden. Viel zu schreiend. Ausserdem möchte ich bei einem Roman selbst entscheiden, welche Sätze mich berühren und nicht glückskeksartige Sinnsprüche um die Augen geknallt bekommen.

  • Die Dichte an Ratschlägen: Es waren mir am Ende zu viele Coachingsweisheiten in den Briefen und im Buch überhaupt in einer Geschwindigkeit und Dichte, dass ich sie nicht verdauen konnte. Oder war es die fehlende Tiefe? Es war eher ein an der Oberfläche dahinplätscherndes Frage & Ratschlagsgeplätscher. Und das, obwohl ich mich wirklich viel mit Persönlichkeitsentwicklung, Coaching und Psychologie beschäftige. Das hat mich eher gelangweilt als weitergebracht.

Mein Fazit

Ein gut gemeintes Buch mit einer sehr schönen, berührenden Geschichte, aber etwas über das Ziel hinausgeschossen. Ich habe keine Zeile unterstrichen oder angemerkt, wenig hat mich in der Tiefe berührt. Wenn man mich jetzt nach der Lektüre des Buches fragt, was das Geheimnis eines fucking guten Lebens ist – ich könnte es nicht benennen.

Hier gibt es eine Leseprobe.

★★★☆☆

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